Friedensfest in Remagen, 8. Mai 2010
11 Uhr Ökumenischer Friendensgottesdienst an der Kapelle „Schwarze Madonna“
Liturgische Eröffnung und Begrüßung Dechant Dr. Johannes Georg Meyer (katholische Kirchengemeinde Remagen – Kripp)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gnade und Friede von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus sei mit Euch!
Sehr geehrte Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt, sehr geehrte Gäste, Brüder und Schwestern im Glauben, zusammen mit Frau Pfarrerin Elisabeth Reuter begrüße ich Sie alle recht herzlich. Ein besonderer Gruß gilt Ihnen, Herr Superintendent Pfarrer Rolf Stahl; Sie werden zu uns sprechen und die Predigt halten. Ich begrüße die Mitglieder des Posaunenchores Oberwinter und danke schon jetzt recht herzlich für die musikalische Unterstützung Sie alle sind zur Kapelle zur Schwarzen Madonna gekommen, um diesen Gottesdienst mitzufeiern, mit dem das heutige Friedensfest eröffnet wird. Der Gottesdienst steht unter dem Leitwort: „Suchet den Frieden und jaget ihm nach“. Wir singen nun das Lied: Wir beten für den Frieden.
Einführung in den Tag und in den Gottesdienst
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger, Schwestern und Brüder im Glauben, mit diesem Gottesdienst eröffnen wir das Friedensfest in Remagen. Wir sind dankbar für 65 Jahre Frieden und Demokratie hier bei uns; wir gedenken der Ereignisse vor 65 Jahren, wir wissen uns für unsere Gegenwart und die Zukunft dem Frieden verpflichtet.
Der 8. Mai ist der Tag des Endes des 2. Weltkrieges in Europa. Vor 25 Jahren hat der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 8. Mai eine bedeutende Rede gehalten. Ich möchte daraus einige Sätze zitieren: „ der 8. Mai 1945 ist ein Datum von entscheidender historischer Bedeutung in Europa. …. Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. … Die Menschen, die – diesen Tag –bewusst erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit an ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dankbar dafür, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davon gekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar andere Deutsche vor dem geschenkten neuen Anfang.“
In der Rückschau gilt: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“
„ Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schwere Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“ Soweit Richard von Weizsäcker.
Wir stehen hier auf historischem Boden. Die Inschrift auf dem Fußboden dieser Kapelle und die Plastik der Schwarzen Madonna sind Ausdruck der Erinnerung und der Mahnung. Hier – zwischen Remagen und Kripp wie in den Rheinwiesen von Sinzig war das riesige Gefangenenlager, etwa von April bis August 1945. Das Leid, das von unserem Land in Gestalt des Krieges ausgegangen war, kehrte zurück in der Gestalt des Gefangenenlagers. Unter schlimmsten, ja unmenschlichen Bedingungen lebten in beiden Lagern während eines Vierteljahres insgesamt ca. 250 000 bis 300 000 gefangene Soldaten. Ihr Schicksal war geprägt von der Schutzlosigkeit der Witterung gegenüber, der Sonne und der Kälte, Wind und Regen ausgesetzt; entsetzlicher Hunger war der ständige Begleiter, Seuchen bedrohten das Leben. Die im Lager bzw. im Behelfslazarett Verstorbenen haben auf dem Bad Bodendorfer Soldatenfriedhof ihre letzte irdische Ruhestätte gefunden. Beim Treffen der ehemaligen Gefangenen im Juni diesen Jahres wird an das erlittene Leid erinnert werden.
Remagen mit den Brückentürmen der ehemaligen Rheinbrücke, der Brücke von Remagen, heute das Friedensmuseum, diese Friedenskapelle, all das sind Orte des besonderen Einsatzes um den Frieden und für den Frieden. Es ist nicht selbstverständlich, 65 Jahre in Frieden und Freiheit in einer Demokratie zu leben. Wir laden Sie ein, mit diesem Gottesdienst für dieses Geschenk zu danken. Friede am Ort, Friede in der Gesellschaft, Friede unter den Völkern bleibt eine bleibende Ausgabe und Herausforderung. Der heutige Tag, das Friedensfest, will dazu ein Baustein sein. Dieser Tag lädt ein zu vielfältiger Begegnung, zur Besinnung und zur Bestärkung des Anliegens, dem Frieden zu dienen. „Suchet den Frieden und jaget ihm nach.“ Versuchen wir, diesem Ziel gemeinsam zu dienen, und uns dabei unter Gottes Beistand zu stellen. Ich lade Sie ein, auf Sein Wort zu hören, und sich im Gebet und Lied Gott anzuvertrauen.
--> Predigt von Superintendent Rolf Stahl
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