Textversion

Sie sind hier:

1. Mai 2012

Einladung und Aufruf zur Kundgebung am 24. Mär12

Ester Bejerano, Sonntag, den 4. März 2012

Friedensveranstaltung am 19.11.2011

1. Veranstaltung des Lokalen Aktionsplans, 24.9.11

Remagen- Einsatz für den Frieden Juni 2011

Mahnwache am 20.11.2010

Mahnwache am 10. November 2010

Friedensfest im Mai 2010

Ökumenischer Gottesdienst

Ansprachen

Veranstaltung auf dem Marktplatz

Ausstellung des Arbeitskreises Stolpersteine

Buchausstellung

Friedensläufe

Kinderhof

Bildausstellung in der Rheinhalle

99 Luftballons für den Frieden

Friedensmuseum

Friedenskonzert

Party des ASta

Unterstützer des Friedensfestes

Auftaktveranstaltungen zum Friedensfest 2010

Mahnwache 20.11.10, 11 Uhr

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Impressum

Kontakt

Gegen Rechts - Hilfe im Netz

Friedensgottesdienst am 8. Mai 2010, 11 Uhr Kapelle zur Schwarzen Madonna, Remagen

Die Gnade von Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes seien mit uns allen. Amen.

Jesus Christus spricht:
„Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Man pflückt ja nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken.“

Von zwei Bäumen oder Büschen möchte ich erzählen. Sie wachsen nicht hier in Remagen, mit seiner besonderen Friedensgeschichte. Sie stehen an zwei anderen Orten die auch ihre jeweils besondere Friedensgeschichte haben. Es geht um Hildesheim und Helgoland. Hildesheim, die Bischofsstadt in der Nähe von Hannover. Und Helgoland, die kleine Insel in der deutschen Nordsee. Beide Orte verbindet etwas, obwohl sie weit voneinander entfernt sind. Es sind Geschichten, die jeweils mit einem Baum zu tun haben. Bäume, die Blüten und Früchte trugen, obwohl man damit nicht mehr rechnen konnte.

In Hildesheim wächst im Innenhof des Domes ein Rosenstrauch groß wie ein Baum. Der Sage nach ist er über eintausend Jahre alt. Ludwig der Fromme verirrte sich auf der Jagd. Als es dunkel wurde, hängte er ein Marienbild an einen wilden Rosenbusch. Von dort aus fand er den Weg zurück. Als er am nächsten Tag das Bild zurückholen wollte, war es an den Zweigen festgefroren. Da entschied der Frankenkönig an dieser Stelle eine Kirche bauen zu lassen. Aus ihr ging der spätere Hildesheimer Dom hervor. Und der Rosenstrauch überdauerte die Zeiten, der Legende nach und wurde zu einem beachtlichen Rosenbaum. Im Zweiten Weltkrieg fielen Bomben auf Hildesheim. Der Dom war völlig zerstört. Dabei verbrannte auch der tausendjährige Rosenstock. Doch schon Wochen später sprossen aus seinen von Trümmern verschütteten Wurzeln neue Triebe hervor. Für die Hildesheimer war das ein Friedenszeichen und ein Hoffnungszeichen. Sie halten es bis heute in großen Ehren.

Ähnliches erlebten die Helgoländer. Drei Wochen vor Kriegsende wurde das kleine Eiland als wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine angegriffen. Es blieb kein Stein auf dem anderen. Die Bevölkerung wurde aufs Festland evakuiert. Nach dem Krieg sollte die Insel dann ganz gesprengt werden, um einer kriegerischen Nutzung ein für alle mal ein Ende zu machen. Die große Sprengung führte nicht zum erwünschten Erfolg. Die Insel verschwand nicht vom Erdboden in die Tiefen der Nordsee.
Die Helgoländer setzten sich weiter für sie ein. Nach vielen Jahren konnten sie zurück. Als die ersten von ihnen die Insel wieder betraten fanden sie dort nur Trümmer vor. An einer Stelle entdeckten sie etwas, das sie bis heute hegen und pflegen. Auf dem Grundstück des ehemaligen Pfarrhauses wuchs in allem Schutt ein Maulbeerbaum. Ein Baum, der im harten Klima der Nordsee eigentlich gar nicht gedeiht. Er hatte es geschafft. Seine Wurzeln hatten Stand gehalten in den schlimmen Wirren der Zeiten, gegen alle Gewalt des Krieges und seiner Folgen.

Der tausendjährige Rosenstock aus Hildesheim und der Maulbeerbaum auf Helgoland. Ihre Existenz ist für viele mehr als nur ein botanisches Kuriosum. Sie zeigen die Lebenskraft des Friedens. und die Überlebenskraft seiner Wurzeln. Gewalt und Krieg konnten ihnen nichts anhaben. Sie bringen gute Blüten
und Früchte.

Jesus Christus spricht: „Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt.“
Der Friede ist ein guter Baum. Er bringt gute Früchte. Auch aus Trümmern kann er wachsen, denn er ist tief verwurzelt. Als eine tiefe Wurzel des Friedens erweist sich seine göttliche Verheißung. In den Worten des Jesaja ist sie uns sehr vertraut: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Die Wurzel des Friedens trifft in unserer Zeit auf harte Böden. Verhärtet durch uns. Die Realität des Krieges verdichtet die Erde. Vieles hindert Friedenswurzeln daran aus der Tiefe an die Oberfläche zu treiben. Auch in unserem Land mit seiner Kriegsgeschichte und seinen Friedensgeschichten haben wir nicht aufgehört mit dem Lernen, Krieg zu führen. Eher im Gegenteil. In die Methoden Strategien und Wortwahlen wird großzügig investiert. Und die Gewöhnung an das, was eigentlich nicht sein soll, schreitet auf dem verdichteten Boden ungehindert voran. Das Wissen um die Wurzeln des Friedens dagegen wird unterschätzt. Wer vom Frieden redet, gilt als weltfremd oder als unsolidaridarisch mit denen, die sich in den kriegersichen Zusammenhängen behaupten müssen.

Wer die Möglichkeiten des Friedens beschreibt, muß mit Spott und Unverständnis rechnen. Wer ihn gar politisch fordert, macht sich damit nicht bei allen beliebt. Dem Frieden kann das nichts anhaben.
Seine Wurzeln durchdringen den härtesten Boden. Doch wie wächst er erst dann, wenn das Verhärtete um ihn aufgelockert wird? Den harten Boden der Welt, lockern für die Wurzeln des Friedens. Damit sie Bäume treiben können und Früchte tragen, um im Bild zu bleiben. Der Boden für den Frieden wird zum Beispiel da gelockert, wo man die Vergangenheit nicht zuschüttet, sondern gründlich umgräbt. Nicht, um sie zu zerstören und zu verwirren, sondern um sie zu verstehen und zu öffnen für die Gegenwart und die Zukunft.

Auch Fünfundsechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und damit auch dem Ende der Brücke von Remagen bleibt das eine aktuelle Aufgabe. Letzteres verbindet sie mit einem weiteren Bild. Wo Frieden wächst, stürzen Brücken nicht ein. Wir können einiges tun, um dem Frieden den Boden zu lockern, damit er wachsen, Blüten und Früchte treiben kann. In diesem Sinne schließe ich mit einer Inschrift an der Remagener Brücke: „Lasst uns jeden Tag mit Herz und Verstand für den Frieden arbeiten. Beginne jeder bei sich selbst“.

Gott lässt uns dabei nicht allein weder hier noch sonstwo auf der Welt.
Sein Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Superintendent Rolf Stahl, Kirchenkreis Koblenz

--> Rede von Dechant Dr. Meyer