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1. Mai 2012

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Ester Bejerano, Sonntag, den 4. März 2012

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Eveline Lemke, Landessprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, unterstützt das Friedensfest des Remagener Bündnisses u.a. mit diesem Beitrag auf ihrer Homepage unter http://eveline-lemke.de/herzlich-willkommen

Die Skulptur "Liebeskraft" von Lajos Barta wurde 1985 im Beisein des Künstlers vor dem Friedensmuseum in den Brückentürmen aufgestellt.



Sonntag, 2. Mai 2010

REMAGEN. Die Initiative zu dem großen Friedensfest am kommenden Samstag, 8. Mai, in Remagen verdient, meine ich, höchste Anerkennung. Es kann allerdings nicht angehen, dass die Remagener bei diesem Fest unter sich bleiben. Deshalb rufe ich auch die Bewohner der umliegenden Orte und alle anderen, denen an einem friedlichen Miteinander der Völker, Religionen und Kulturen im Kreis Ahrweiler liegt, dazu auf, am 8. in Remagen mit zu feiern und sich mit dem Anliegen der Friedensinitiative solidarisch zu zeigen.

65 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft tritt das im März gegründete Remagener Bündnis für Frieden und Demokratie mit diesem Friedenfest Neofaschisten und Rechtsradikalen entgegen, die die Römerstadt wegen ihrer militärgeschichtlichen Bedeutung im 2. Weltkrieg für revanchistische und ausländerfeindliche Aktionen missbrauchen wollen. Mit diesem Datum endeten sowohl der 2. Weltkrieg, der mit dem Überfall der Deutschen auf Polen begonnen hatte, als auch das totalitäre, menschenverachtende Terror-Regime der Nationalsozialisten, die Millionen von Menschen kaltblütig und systematisch ermorden.

"Den Toten zur Ehre - den Lebenden zur Mahnung", heißt es auf einer Bronzetafel am Eingang zum Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf.



Mit dem Fest will das Bündnis deutlich machen, dass sich die Römerstadt mit den Siegermächten des 2. Weltkriegs ausgesöhnt hat, und es wirbt für ein friedliches Miteinander der Völker, Religionen und Kulturen - in der Römerstadt und darüber hinaus. Das Bündnis will aber auch daran erinnern, dass der Friede nur durch Demokratie, Völkerverständigung und Toleranz erhalten werden kann.

Weil ich Neubürgerin des Kreises Ahrweiler bin, habe ich das bevorstehende Fest zum Anlass genommen, mich vor Ort in der Goldenen Meile über die Geschehnisse während der letzte Kriegstage und der ersten Monate danach zu informieren. Ich habe die Friedenskapelle "Schwarze Madonna", das Friedensmuseum im Turm der ehemaligen Brücke von Remagen, die Lager-Gedenkstätte in Sinzig-Ost sowie den Ehrenfriedhof in meinem Wohnort Bad Bodendorf besucht.

Gefangenenlager

Die Goldene Meile, also die Mündung des Ahrtals in das Rheintal, hat ihren Namen sicherlich von ihrem fruchtbaren Schwemmboden und von dem milden Klima, die den Bauern in früheren Jahrhunderten reiche Ernten bescherten. Viele tausend Männer und eine größere Zahl von Frauen, die in den letzten Kriegstagen und in den ersten Wochen nach dem Krieg auf der nackten Erde im Rheinwiesenlager gefangen waren, haben die Goldene Meile jedoch damals verflucht. Denn sie bekamen nichts zu essen und kaum etwas zu trinken - nur mit Chlor versetztes Rheinwasser, wie Heinz Pankuweit, ein heute in Bonn lebender ehemaliger Gefangener, dieser Tage in der Rhein-Zeitung schrieb.

„Hunger, Ruhr und andere Krankheiten rafften Unzählige dahin“, berichtet er, „wir sahen sie sterben - mitten unter uns - und konnten nicht helfen. Sie starben einsam, nicht selten qualvoll ohne ärztlichen oder priesterlichen Beistand.“ Einigen wenigen sei die Flucht gelungen, andere hätten den Versuch mit ihrem jungen Leben teuer bezahlen müssen. „Viele von uns haben sich damals geschworen, die Goldene Meile nie wieder zu betreten“, berichtet Pankuweit; denn Remagen sei für sie „zu einem Begriff des Schreckens verkommen.“

Dem ehemaligen Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten sei es später gelungen, die einstigen Gefangenen mit seiner Stadt zu versöhnen. Auch als Initiator des 1980 eröffneten Friedensmuseums in den heute noch stehenden Türmen der am 7. März 1945 von amerikanischen Soldaten eroberten ehemaligen Brücke von Remagen und der ab 1985 erbauten Friedenskapelle habe sich Kürten Verdienste erworben: „Seine und unsere Kapelle mit der Schwarzen Madonna ist ein Mahnmal für Frieden und Versöhnung“, schreibt Pankuweit.

Friedenskapelle

Die Friedenskapelle schließt nach oben hin mit einem Dornenkranz ab; er erinnert an den Stacheldraht, um dem das Lager umzäunt war.



Zwischen Remagen und Kripp, gegenüber der Einmündung der Südallee in die Goethestraße am RheinAhrCampus, steht die Friedenskapelle "Schwarze Madonna", die seit 1987 an das Gefangenenlager in Remagen erinnert. Die Kapelle ist wie ein Zeltdach gebaut, durch das Wind und Regen hindurchfegen können - wie durch die notdürfig errichteten Zelte der darbenden Kriegsgefangenen im Frühjahr 1945. Nach oben hin schließt sie mit einem Dornenkranz ab, der an den Stacheldraht erinnert, mit dem das Lager umzäunt war.

In der Kapelle wird die Kopie einer Madonnen-Figur gezeigt, die Prof. Adolf Wamper (1901–1977) während seiner Gefangenschaft aus dem Lehmboden des Remagener Lagers modellierte. Aus Dankbarkeit für sein Überleben übergab er die Madonna nach seiner Freilassung dem damaligen Kripper Pfarrer Wilhelm Keller. Der hatte im Frühjahr 1945 Decken und Essen gesammelt, um die Not im Lager ein wenig zu lindern.

Nachdem der damalige Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten die Madonna im Jahr 1984 im Kripper Pfarrhaus wiederentdeckt hatte, war rasch klar, dass eine Kopie davon in der geplanten Kapelle gezeigt werden sollte.

Gedenkstätte Sinzig

Weil das Lager A2 in Remagen nicht mehr ausreichte, wurde Ende April 1945 weiter südlich, auf den Feldern zwischen Sinzig und Niederbreisig, das Kriegsgefangenenlager A5 eingerichtet. 118.000 völlig unzureichend versorgte Gefangene vegetierten dort am Tag der Kapitulation. Am 20. Juli wurde das Lager aufgelöst. Die 25.000 Gefangenen, die zu dieser Zeit noch im Lager waren, mussten in das Andernacher Lager marschieren.

Diese Gedenkstätte erinnert an das Lager A2 in den Rheinwiesen zwischen Sinzig und Niederbreisig.


Ehrenfriedhof

Während verstorbene Gefangene aus dem Lager in der Goldenen Meile zunächst auf umliegende Friedhöfe verteilt wurden, fanden Lagertote vom 28. April bis zum 15. Juli 1945 auf dem Ehrenfriedhof in meinem Wohnort Bad Bodendorf ihre letzte Ruhestätte. Der am 28. April 1945 auf Anordnung der Aliierten angelegte Friedhof ist die größte geschlossene Kriegsgräberstätte im Kreis Ahrweiler. In den weitaus meisten der insgesamt 1213 Gräber dort sind deutsche Kriegsgefangene aus dem Lager in der Goldenen Meile begraben. Aber auch 41 Österreicher, fünf Ungarn, vier Letten, zwei Holländer sowie je ein Franzose, Pole und Rumäne wurden dort beerdigt.

Friedensmuseum

Das 1980 in den Türmen der ehemaligen Ludendorff-Brücke in Remagen eröffnete Friedensmuseum gehört ebenfalls in den Verbund der Denkmäler, die an die Geschehnisse während der letzten Kriegswochen und der Monate danach in der Goldenen Meile erinnern. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der strategisch wichtigen Brücke – vom Bau während der Jahre 1916 bis 1919, von den schweren Kämpfe im Brückenkopf, an denen deutsche, amerikanische, belgische und englische Soldaten beteiligt waren, von der Eroberung am 7. März 1945 und an ihren Einsturz zehn Tage später, bei dem 28 amerikanische Soldaten in den Tod gerissen wurde. Das Leitmotiv in der Friedenshalle geht übrigens alle an: "Lasst uns jeden Tag mit Geist und Verstand für den Frieden arbeiten. Beginne jeder bei sich selbst." Dazu bietet das Friedensfest am kommenden Samstag doch einen hervorragenden Rahmen, oder?