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1. Mai 2012

Einladung und Aufruf zur Kundgebung am 24. Mär12

Ester Bejerano, Sonntag, den 4. März 2012

Friedensveranstaltung am 19.11.2011

1. Veranstaltung des Lokalen Aktionsplans, 24.9.11

Remagen- Einsatz für den Frieden Juni 2011

Mahnwache am 20.11.2010

Mahnwache am 10. November 2010

Friedensfest im Mai 2010

Auftaktveranstaltungen zum Friedensfest 2010

Mahnwache 20.11.10, 11 Uhr

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Gegen Rechts - Hilfe im Netz

Anrede,

wo wir jetzt stehen, stand von 1869 bis zum 10. November 1938 die Remagener Synagoge. Sie wurde am Morgen des 10. Novembers niedergebrannt, am Tag, vor den Augen der Bürgerinnen und Bürger – unsere Freundin und - als Kind - Augenzeugen Inge Hilpert hat uns oft darüber berichtet.

Die Zerstörung der Synagogen in Deutschland in der Reichsprogromnacht war ein Fanal auf dem Weg der Zerstörung von Menschenwürde, Menschenrechten und des Rechtsstaates durch das System der Nationalsozialisten. Nun begann - für alle sichtbar - die Verfolgung und die spätere Ermordung der europäischen Juden.
Aber begonnen hatte diese Zerstörung schon mit der Machtübernahme durch Hitler 1933 und der schon bald darauf stattfindenden Entrechtung der Juden, aber auch der politischen Gegner.
Millionen Menschen wurden schließlich systematisch vernichtet: weil sie jüdischen Glaubens waren, weil sie sich dem Regime politisch widersetzten, weil sie körperliche oder geistige Gebrechen hatten, weil sie Sinti oder Roma waren, weil sie homosexuell waren oder weil sie Verfolgten halfen.

Schon einmal habe ich bei unserer Mahnwache
Carl Friedrich von Weizsäcker zitiert, und ich tue es aus aktuellem Anlass wieder: "Was den Menschen auszeichnet, ist nicht, dass er Geschichte hat, sondern dass er etwas von seiner Geschichte begreift."

Ist das so?

Mit Entsetzen und Betroffenheit hören wir wieder von Brandanschlägen auf Synagogen, von Übergriffen auf Menschen mit Migrationshintergrund, Hetzschriften und -schmierereien, rechten Aufmärschen - auch in unserer Stadt.

Dies zeigt: Es gibt immer noch Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Deutschland – trotz unserer Geschichte. Manche jüdischen Gottesdienste finden unter Polizeischutz statt. Synagogen, selbst solche, die erst im Bau sind, müssen bewacht werden. Dafür müssen wir uns schämen.

Denn wir alle wissen um die Fakten unserer jüngeren Geschichte.
Wir alle sind in der Lage, etwas von dieser Geschichte zu begreifen. Aber es begreifen nicht alle.

Anrede,

das Leben im jüdischen Deutschland – seit dem Mittelalter auch hier in Remagen - bedeutete, über die Jahrhunderte, fast immer, für die meisten Menschen Bedrohtsein, Einengung, Ausgrenzung, Rechtlosigkeit, Verfolgung, Leiden. Sie gingen aus von der christlichen Mehrheit.

Zugleich gab es in all dieser Zeit auch den großen Reichtum religiösen und kulturellen jüdischen Lebens in den Gemeinden, in den Familien. Es gab die Feste, die freudigen und die traurigen Feiern des Lebens. Es gab Hoffnung und Zuversicht: auf Besserung, auf Emanzipation, auf gleiche Bürgerrechte, gleichen Zugang zu Berufen und Ämtern, gleiche Chancen für die Bildung der Kinder.

Erst die Verfassung des Deutschen Reiches von 1871 stellte endlich - rund hundert Jahre nach der Emanzipation der Juden in Frankreich - die deutschen Juden allen anderen Bürgern rechtlich gleich. Es war ein Prozess über drei Generationen. Es war ein gewaltiger Fortschritt.

Zu einer wirklichen auch gesellschaftlichen Gleichstellung führte er jedoch weitgehend nicht. Im Gegenteil: im Kaiserreich begann dann ein gesellschaftlicher Antisemitismus bisher nicht gekannten Ausmaßes.

Die Zeit der ersten Deutschen Republik von Weimar, sie war schwierig.
Schwierig war sie für alle Demokraten, für Liberale, für die, die zu dem neuen Staat standen. Für die Juden war sie besonders schwer. Sie hatten in der Wirtschaft Einfluss gewonnen, genauso im kulturellen und geistigen Leben, in der Rechtswissenschaft, in vielem mehr. Die politische Rechte - Nationalisten, Rassisten, so genannte Völkische - hat daraus ihre perfiden Argumente geschmiedet.

Der Ausgang der Weimarer Republik, der Anfang vom Ende, war gekennzeichnet durch eine große Wirtschaftskrise - durch die Herabsetzung der Republik vor allem auch seitens der Eliten und der Medien, durch eine in weiten Kreisen bestehende Ablehnung des "Weimarer Systems", die Ablehnung der Demokratie, der demokratischen politischen Parteien und ihrer Politik. Von den sogenannten Völkischen wurde die Republik, ihre Gesellschaft, ihre Wirtschaft als "verjudet" denunziert.

30. Januar 1933: Hitler wird Reichskanzler. Am 31. Januar 1933 schreibt die Jüdische Rundschau:

"Wir stehen als Juden vor der Tatsache, dass eine uns feindliche Macht die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen hat."

1871 machte der Anteil der Juden an der deutschen Bevölkerung 1,25 v.H. aus, 1939, waren es lediglich noch 0,31 v.H.
1942 wurden aus Remagen die letzten 14 Juden deportiert.

Die geistig-kulturelle Wirkung, die von der deutsch-jüdischen Bevölkerung - von dem geistigen jüdischen Deutschland - ausging, war gewaltig.
Sie betraf die Philosophie, Theologie, Literatur, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, war prägend für Musik, modernes Theater und Malerei. Ich nenne nur wenige Namen: Ludwig Wittgenstein, Edmund Husserl, Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Leo Baeck und Martin Buber, Heinrich Heine, Franz Kafka, Anna Seghers, die Frau aus Mainz, die in Berlin begraben liegt und an deren Grab ich letzte Woche war, Elias Canetti, Jurek Becker, Lise Meitner, Albert Einstein, Sigmund Freud.

Ich nenne den großen Staatsrechtler Hugo Preuß, der die Weimarer Verfassung entwarf, Walther Rathenau, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Max Reinhardt und Max Liebermann.

Was sie gedacht und geschaffen haben, gab und gibt immer noch der deutschen Kultur Glanz und höchstes Ansehen in der Welt. Ihre Namen stehen für Aufklärung, Erkenntnistheorie und konkrete Utopie. Wir alle wären unendlich viel ärmer, hätten wir nicht diese Großen des jüdischen Deutschland, hätten wir nicht ihre Gedanken und ihre Werke.

Die Kultur des jüdischen Deutschland war und ist die Kultur einer humanen Gesellschaft. Sie steht für Gerechtigkeit, für die Achtung der Menschenwürde, den Respekt vor dem Leben, für Hilfsbereitschaft und für die Hoffnung auf ein helleres Dasein. Sie war immer der Gegensatz, der krasse Widerspruch zu der sogenannten Ordnung des sogenannten Dritten Reiches, das den Zivilisationsbruch brachte.

Meine Damen und Herrn,

nur wenn wir all dieses wissen, begreifen wir auch, was wir verloren haben.

Niemals zuvor gab es eine Zeit, die Deutschland und die Deutschen mehr beschämt hat als die der Herrschaft der Nationalsozialisten.

Und ein zweites Zitat will ich noch einmal wiederholen: Oktavio Paz: "Ich weiß nicht, ob Geschichte sich wiederholt: Ich weiß nur, dass die Menschen sich wenig ändern."

Die Versuche von Rechtsradikalen, auf unser demokratisches Gemeinwesen und seine Bürger Einfluss zu nehmen, sind vielfältig.

Besonders im Blickpunkt von Rechtsextremisten steht die Jugend. Man versucht, junge Menschen von dem Angebot einer Art Jugendhilfe, mit Schülerzeitungen oder Musik-CDs in die rechte Szene zu locken.

Anrede,

ständige Wachsamkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen ist daher notwendig und angezeigt.



Im letzten Jahr (2009) haben die rheinland-pfälzischen Staatsanwaltschaften des Landes 1168 Ermittlungsverfahren wegen rechtsextremistischer oder fremdenfeindlicher Straftaten eingeleitet.

In 100 Fällen kam es zu Verurteilungen, wobei in 25 Fällen Jugend- und Freiheitsstrafe verhängt wurde. In 7 Fällen wurde Freiheits- oder Jugendstrafe von mehr als einem Jahr ausgesprochen.

Es ist bedrückend, dass der Anteil der Jugendlichen an den einschlägigen Verfahren mit ca. 26 Prozent recht hoch ist. Dies ist ein deutliches Signal dafür wie notwendig es ist, gerade bei der Jugend mit verstärkten Aufklärungsmaßnahmen anzusetzen. Und deshalb ist es lobenswert und gut, dass der Jugendbahnhof heute mit dabei ist.

Die Erinnerung an das, was geschah, ist die beste Prävention.

Wir stehen heute wieder hier, weil wir uns bei unserer Mahnwache erinnern wollen, schon im dritten Jahrzehnt gibt es die nun. Lange dauerte es, bis an der Alten Post 1989 die Erinnerungstafel angebracht wurde und noch viel länger, bis das 1. Mahnmal entstand. Viele, die hier stehen, haben an dem Prozess des Erinnerns gearbeitet.

Wir nehmen das nicht Verstehen und das Nichtlernen anderer nicht hin!